01/18/2026
Liebe
Wie unsere Vergangenheit unser Liebesleben sabotiert
Es ist eines der grundlegendsten Gesetze der Psychologie. Eines, über das es sich immer wieder zu sprechen lohnt, weil diese Erkenntnis oft nicht bei den Menschen ankommt, die sie am meisten brauchen:
Menschen, die eine schwierige Kindheit hatten, neigen als Erwachsene dazu, Liebe zurückzuweisen und zu sabotieren.
Das ist eine der zentralen, schmerzhaften Wahrheiten über Kindheitstraumata und Beziehungen im Erwachsenenalter. Als Gesellschaft machen wir es uns zu einfach, wenn wir glauben, dass jeder Mensch einfach nur nach Liebe strebt, denn das stimmt leider absolut nicht.
Wer in der Kindheit keine Liebe erfahren, wer als kleiner Mensch keine liebevolle, tröstende und unterstützende Behandlung erfahren hat, wird sich überhaupt nicht wohlfühlen, wenn später im Leben Liebe auftaucht. Diese Menschen werden alles tun, um die Liebe zu sabotieren – und vor sich selbst zu verbergen, dass sie das tun.
Gleichzeitig wird eine solche Person fest davon überzeugt sein, dass sie an Liebe interessiert ist; sie wird beim ersten Date schwören, dass sie sich nichts sehnlicher wünscht als eine glückliche Beziehung und baldige Hochzeit. Und dann wird sie entschlossen dafür sorgen, dass kein Glück möglich ist und dass Elend die einzige Option für sie bleibt.
Dies geschieht hauptsächlich auf zwei Arten. Erstens: indem sie Menschen auswählt, die kein Interesse daran haben, Liebe zu geben.
Menschen, die selbst so verletzt sind, dass sie gewalttätig, missbräuchlich, kaltherzig, zynisch, obsessiv oder auf andere Weise unzugänglich sind. Diese Person wird zum Objekt der Fixierung.
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Trotz schrecklicher Behandlung kehrt der oder die Liebende immer wieder zu Kummer und Unerfülltheit zurück. Er oder sie wird nicht verstehen können, warum das passiert, und wird es immer wieder tun.
Das gesamte emotionale System ist darauf ausgerichtet, mit Kälte und Härte umzugehen.
Zweitens: Die andere Methode, Liebe abzulehnen, besteht darin, sich von Menschen abzuwenden, die liebevoll, gutmütig und interessiert sind. Vielleicht geht man die Beziehung anfangs noch gerne ein; vielleicht hält man sogar ein paar Jahre durch. Aber nach und nach werden Menschen, die eine schwierige Kindheit hatten, nicht mehr in der Lage sein, diese Wärme auszuhalten.
Ihr gesamtes emotionales System ist darauf ausgerichtet, mit Kälte und Härte umzugehen. Es ist ihnen unmöglich, sich in Sicherheit wohlzufühlen.
Sobald eine Beziehung ein gewisses Maß an Komfort erreicht (das alles übertrifft, was sie jemals in ihrer Kindheit gekannt haben), beginnt daher die Sabotage. Es kommt zu einer Affäre oder zu Streitigkeiten. Die Person beginnt (ohne triftigen Grund, aber vollkommen aufrichtig) zu glauben, dass der*die Partner*in „zu kontrollierend” ist oder dass in der Beziehung „kein Raum für die eigenen Bedürfnisse“ bleibe.
Solche Menschen werden sich einreden, dass ihr*e Partner*in ihnen nur Schlechtes will – weil das ihnen einen guten Grund gibt, die Beziehung schnell und mit gutem Gewissen zu beenden. Das eigene Nervensystem kann dann endlich zu einem Grundzustand zurückkehren, der vom gewohnten Gefühl der Isolation und Selbstverachtung geprägt ist.
Muster der Selbstzerstörung ohne unabänderlichen Grund
Normalerweise brauchen Erwachsene zwischen 10 und 30 Jahren (wenn es überhaupt je passiert), um zu erkennen, was da passiert. Sie müssen Bücher lesen, zur Therapie gehen, aber vor allem müssen sie so viele schlechte Erfahrungen machen, dass sie schließlich, nach der vierten Ehe oder der neunzehnten Beziehung, erkennen, dass sie in einem Muster der Selbstzerstörung gefangen sind, das keine unabänderlichen Gründe hat. Sie können schon sehr alt sein, wenn dieser Groschen fällt.
Obwohl all das bekannt ist, trotz Essays wie diesem und Büchern, die noch tiefer in die Materie einsteigen, beginnen auch jetzt in diesem Moment, in den Straßen von Hamburg und Bordeaux, Nevada und Tahiti, junge Menschen, die eine entbehrungsreiche Kindheit hatten, diese Kreisläufe von Neuem. Jemand ist gerade im Begriff, sich von einem gutmütigen, zuverlässigen Partner zu trennen, mit der Begründung, er sei „zu weich”. Jemand verzichtet gerade auf ein zweites Date mit einer liebenswerten Person, die warmherzig ist und interessiert ist – weil sie „zu harmlos” ist.
Wir glauben, uns als Gesellschaft immer weiterzuentwickeln, aber im zentralen Bereich unseres Gefühlslebens wiederholen wir immer wieder dieselben elenden Geschichten.
Wiederholen wir diesen Punkt noch einmal: Wenn du eine schreckliche Kindheit hattest, wirst du die Liebe sabotieren und dir eine Reihe schrecklicher Beziehungen einhandeln, wenn du keine wirksamen Maßnahmen ergreifst.
Lass den Gedanken zu, dass das Gefühl falsch ist.
Deshalb solltest du dich mit dem mulmigen Gefühl auseinandersetzen, das du bei der Vorstellung einer liebenswerten Person hast. Erforsche es. Lass den Gedanken zu, dass dieses Gefühl falsch ist. Lass den Gedanken zu, dass dieses Gefühl die Folge eines Traumas ist.
Verscheuch nicht die nette Person, die versucht hat, dich zu heiraten und dir ein gutes Leben zu bieten. Und kehre nicht immer wieder zu dem grausamen Schreckgespenst zurück, das dich jahrelang verletzt und alle deine Annäherungsversuche abgelehnt hat. Kindheitstraumata und Beziehungen im Erwachsenenalter zu verstehen bedeutet, dir selbst die Chance zu geben, den Kreislauf zu durchbrechen.