Wie man Gefühle verarbeitet

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Es ist eine Marotte unserer Psyche, dass wir nicht jedes Gefühl vollkommen wahrnehmen, verstehen oder gar wirklich spüren. Manche Gefühle bleiben ´unverarbeitet´ in uns. So manche Sorge wird beispielsweise verleugnet und nicht interpretiert und kommt als freiflottierende Angst zum Ausdruck. Unter ihrem Einfluss fühlen wir uns dann gezwungen,

beschäftigt zu sein, keine Zeit für uns selbst zu haben oder uns auf Aktionismus zu fixieren, um unserer eigentlichen Angst nicht ins Auge zu sehen (durch Internet-Pornographie, ständigen Nachrichtenkonsum oder zwanghaften Sport). 

Ähnlich verleugnen wir Schmerz. Vielleicht hat jemand unser Vertrauen ausgenutzt oder unser Selbstwertgefühl in Frage gestellt, doch wir können uns nicht offen damit auseinandersetzen, weil wir uns verletzt und bloßgestellt fühlen. Der Schmerz steckt irgendwo in uns, aber an der Oberfläche zeigen wir eine flüchtige Heiterkeit (Frohsinn, der eigentlich eine versteckte Traurigkeit ist), wir betäuben uns mit Drogen oder gewöhnen uns an einen unspezifischen Zynismus, hinter dem sich die eigentliche Verletzung verbirgt.

Doch dass wir unsere Gefühle nicht verarbeiten, hat einen hohen Preis. Wir sind nicht mehr wir selbst, weil wir eigentlich ahnen, dass etwas nicht stimmt. Alles deprimiert uns, weil wir nicht über etwas Bestimmtes traurig sein können. Wir können nicht schlafen, und die Schlaflosigkeit ist die Rache all der vielen Gedanken, die wir bei Tag nicht verarbeitet haben. 

Wir sollten Empathie für uns haben. Wir vermeiden es, Gefühle zu verarbeiten, weil sie unserem Selbstbild so widersprechen, weil sie die gesellschaftliche Vorstellung von Normalität so in Frage stellen und so anders sind, als wir gerne wären. Eine Atmosphäre, in der liebevoll anerkannt und akzeptiert wird, wie schwer das Leben ist, hilft, Gefühle zu verarbeiten. Es fehlt an Selbsterkenntnis nicht etwa, weil wir faul oder nachlässig sind; es tut einfach ziemlich weh. 

 Um Gefühle zu verarbeiten, brauchen wir gute Freunde, erfahrene Therapeuten und Rituale wie die Philosophische Meditation, bei der die üblichen Abwehrmechanismen überflüssig sind und Unbekanntes, Verdrängtes exploriert werden kann. Das Ergebnis angemessen verarbeiteter Gefühle ist stets eine bessere Grundstimmung. Aber zuerst einmal müssen wir bereit sein, im Prozess der Selbsterkenntnis zu trauern, und allmählich akzeptieren, dass das Leben in dieser oder jener Hinsicht schlicht viel betrüblicher ist, als wir wollen.

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