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Wie wir den Sinn des Lebens finden

Wie wir den Sinn des Lebens finden

Wenn man sich zu viele Gedanken über den “Sinn des Lebens” macht, wird einem schnell vorgeworfen, man sei naiv und verschwende seine Zeit. Stattdessen neigen heute viele Menschen dazu, – manchmal auf traurige, manchmal auf frustrierte und zynische Weise – zu behaupten, dass das Leben überhaupt keinen Sinn habe.

Zwei Gründe dafür sind besonders augenfällig: Der erste hat mit Religion zu tun. Früher, so heißt es, hatte das Leben einen klaren Sinn, der uns von Gott gegeben wurde: Es ging darum, ihn anzubeten und nach seinen Anweisungen zu leben. Doch mit der Abnahme des Bedeutung von Religion wurde nicht nur gemutmaßt, ob Gott gestorben sei – mit ihm verschwand auch der Sinn, den er den Menschen geboten hat.

Die moderne Wissenschaft ist der zweite Grund für unsere aktuelle Sinnkrise. Wissenschaftler*innen sagen uns, dass das Leben – entstanden aus einem zufälligen Zusammenspiel von Chemikalien und Gasen – sehr wohl einen Sinn hat, wenn auch einen eher unbarmherzigen und beschränkten. Für Menschen und für alle Lebewesen, wie zum Beispiel eine Amöbe, besteht die Bedeutung des Lebens darin, zu überleben und die eigenen Gene weiterzugeben. Das klingt zwar einleuchtend, kann aber gleichzeitig ein Gefühl der Leere, Trostlosigkeit und Melancholie in uns erzeugen.

Statt uns diesem Gefühl hinzugeben wollen wir hier folgendermaßen argumentieren: Sich zu fragen, was das Leben für einen Sinn hat, ist eine sehr wichtige Beschäftigung, denn das Leben hat durchaus Bedeutung.

Tatsächlich gibt es eine Reihe von praktischen Schritten, die wir unternehmen können, um sicherzugehen, dass wir letztlich höchst bedeutungsvolles Leben geführt haben werden.

Wir sollten damit anfangen, zu sagen, dass es keinen Sinn im Leben gibt, außer dem, den wir uns als Spezies selbst geben können. Wir können keinen „objektiven“ Sinn aus den Sternen, in einem Glaubensbuch oder in unserer DNA entdecken.

Stattdessen können wir uns anschauen, was Menschen dazu bringt, zu sagen, ihr Leben hätte keine Bedeutung. Es sind in der Regel ganz bestimmte Bereiche, in denen diese Menschen unzufrieden sind. Betrachten wir ein paar zentrale Beispiele:

  • Wir sind in einer Beziehung, aber die Intensität, die wir zu Beginn gespürt haben, ist seit langem vorbei. Wir sprechen scheinbar nicht mehr über wichtige Dinge und teilen keine intimen Gefühle oder Gedanken miteinander. Die Beziehung fühlt sich – wie wir sagen – bedeutungslos an. Oder: Wir leben allein und haben zwar viele Freunde aber jedes Mal, wenn wir uns mit ihnen treffen, erscheinen uns die Unterhaltungen oberflächlich und belanglos.
  • Oder wir sind an der Uni und studieren für einen Abschluss. Wir haben uns vielleicht nur eingeschrieben, weil wir uns oft verloren gefühlt haben, wenn es darum ging, wer wir sind oder was wir wollen.Wir dachten, dass das Lesen von Büchern oder das Besuchen von Vorlesungen Licht ins Dunkel bringen könnte. Aber die Themen im Studium waren langweilig und hatten wenig Bezug zu unseren Lebensfragen.Und wieder fühlte sich alles bedeutungslos an.
  • Oder wir arbeiten in einer großen, profitablen Firma. Wir verdienen jede Woche anständiges Geld, aber unsere Arbeit scheint im Großen und Ganzen keine wirkliche Bedeutung zu haben – womit wir allem voran zwei Dinge meinen: Zum einen, dass wir das Gefühl haben, keine positive Auswirkung auf das Leben anderer Menschen zu haben; und zum anderen dass wir nicht in der Lage sind, unsere zentralen Persönlichkeitsanteile in unsere Arbeit einzubringen. Unsere Arbeit könnte genauso gut auch ein Roboter ausführen.

Die drei Säulen von Bedeutung

Anhand dieser Bausteine können wir versuchen, zu bestimmen, wie ein sinnvolles Leben aussehen kann.

So können wir Sinn vor allem in drei Tätigkeiten entdecken: im Kommunizieren, im Verstehen und im Helfen.

Betrachten wir zuerst Kommunikation. Wir sind von Natur aus isolierte Kreaturen, und es scheint, als würden die für uns bedeutungsvollsten Momente dann entstehen, wenn es zu einer tiefen Verbindung kommt. Zum Beispiel mit unserem*unserer Partner*in, wenn wir unsere intimsten körperlichen und seelischen Seiten offenbaren. Wenn wir Freundschaften schließen, in denen wir wesentliche Überzeugungen teilen können. Oder wenn wir auf einer Reise in ein neues Land mit einem Fremden ein Gespräch beginnen und das überwältigende Gefühl des Triumphs verspüren, wenn wir sprachliche und kulturelle Barrieren überwinden.

Und dann gibt es noch die Bedeutung die sich aus dem “Verstehen” ergibt. Dabei geht es um das freudige Gefühl, wenn wir es schaffen, Verwirrung bezüglich uns selbst oder der Welt aufzulösen.

Vielleicht sind wir Forscher*innen, in der Wirtschaft tätig, Dichter*innen oder Patient*innen in einer Psychotherapie.

Das Vergnügen an unserer Tätigkeit ergibt sich aus der Fähigkeit, Klarheit über Dinge zu erlangen, die einst schmerzhaft unklar und fremd waren.

Zum dritten gibt es das “Helfen”. Eine der bedeutsamsten Aktivitäten, die wir in unserem Leben ausführen können, ist es, anderen Menschen beizustehen. Zu versuchen ihr Leben zu verbessern, entweder dadurch, dass wir ihre Schmerzen lindern oder dadurch, dass wir ihnen neue Anlässe zur Freude geben.

Das tun Ärzte, aber auch Menschen, die Kuchen backen, Lieder schreiben oder Tanzen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Es wird uns oft gesagt, dass wir von Natur aus egoistische Wesen sind. Aber manche unserer bedeutendsten Momente ergeben sich dann, wenn wir unser über unser Ego hinwegsetzen und uns in den Dienst anderer oder unseres Planeten stellen.

Man sollte anmerken, dass – damit sich unsere Hilfe bedeutungsvoll anfühlen kann – sie mit unseren inneren Werten und Interessen übereinstimmen muss. Wir sollten uns gut kennen, um herauszufinden, wie wir anderen am besten helfen können.

Ein sinnerfülltes Leben

Ausgestattet mich solchen Überlegungen, können wir uns auf den Weg machen, die Bedeutung unseres Lebens zu definieren.

Der Sinn des Lebens ist es, selbst aufzublühen und anderen dabei zu helfen – durch Kommunikation, Verständnis und Hilfe. Vielleicht führen wir derzeit noch kein so bedeutungsvolles Leben, aber es ist wichtig zu betonen, dass das Konzept eines sinnvollen Lebens möglich ist. Und dass es aus benennbaren Elementen besteht, die wir uns nach und nach aneignen können.

By The School of Life

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