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Warum wir uns trauen sollten, wir selbst zu sein

Warum wir uns trauen sollten, wir selbst zu sein

Es ist merkwürdig, wie lange wir oft brauchen, um herauszufinden, was uns wirklich glücklich macht.

Dabei scheint alles so offensichtlich! Wir wissen doch ganz genau, was wir wollen! Schon als Vierjährige haben wir uns mit Nachdruck dafür eingesetzt, eine elektrische Eisenbahn zu bekommen oder ein Set Bauernhoftiere. Das Problem ist also nicht ein Mangel an Wünschen, sondern die Tatsache, dass es mitunter so lange dauert, bis wir das wollen, was wirklich zu uns passt.

Jahrelang wünschen wir uns dasselbe wie alle anderen auch. Das kann je nach Alter eine Bomberjacke sein oder ein Grillbesteck, eine Ehe, ein Paar Leinenhosen, eine Karriere in der Finanzwelt, eine Saftpresse, eine Scheidung, wöchentliche Pilates-Stunden oder eine sechsmonatige Kreuzfahrt über den Pazifik.

Erst spät erkennen wir, wie unterschiedlich unsere Charaktere und Bedürfnisse sind

Erst im vierten oder fünften Lebensjahrzent erkennen wir allmählich, wie unterschiedlich unsere Charaktere und Bedürfnisse sind – und bringen den Mut auf, das Problem anzugehen.

Vielleicht gestehen wir uns dann endlich zu, all die Angeber und Schwindler, die wir jahrelang enthusiastisch umarmt und für Freunde gehalten haben, endlich auf den Mond zu schießen. Und finden Gefallen daran, nur noch mit Menschen zusammen zu sein, die weinen können, schonmal einen Nervenzusammenbruch hatten, im Gefängnis saßen und darauf pfeifen, was die Welt über sie denkt.

Vielleicht stellen wir auch fest, dass wir verabscheuen, wie uns Nachrichten und soziale Medien zusetzen. Wir löschen dann – wie ein sanftmütiges Schaf, das seinem Hirten endlich den verdienten Tritt versetzt – alle Apps und Social Media Accounts, bis uns das Handy nur noch die Uhrzeit ansagt. Wir lassen uns nicht mehr ängstigen und sind stolz darauf, von all dem Unsinn nichts mehr wissen zu wollen. Die Welt soll ihrer eigenen fröhlichen Wege gehen. Wir können darauf verzichten, die bitteren Wendungen der Geschichte im Minutentakt zu verfolgen.

Vielleicht hören wir auch damit auf, ausgerechnet Menschen beeindrucken zu wollen, die wir hassen.

Vielleicht hören wir auch damit auf, ausgerechnet Menschen beeindrucken zu wollen, die wir hassen. Unsere Mutter hat sich unablässig um Status, Anerkennung und Berühmtheit bemüht – viele Jahre unseres Lebens haben wir unter ihrem Einfluss verschenkt! Gut für sie, schade für uns! Aber damit ist es jetzt vorbei! Uns winkt die Aussicht auf ein paar schräge Freund*innen, eine große Portion Misanthropie und eine Hütte im Wald.

Kippen wir die Forderungen der Gesellschaft auf den Müll!

Ziemlich bald werden wir tot sein, und all die Geschichten, die wir über Krebs und andere bedrohlichen Krankheiten hören, können doch nur eines bedeuten: Dass wir aufhören sollten, feige Nachahmer*innen, ängstliche Lakaien und folgsame Herdentiere zu sein. Kippen wir die Forderungen der Gesellschaft auf den Müll! Und ehren stattdessen die Konturen unseres wunderbar einzigartigen Charakters, bevor es zu spät ist! Nach einem Leben voller Angst, Nachahmung und Unterwerfung sollten wir endlich Rückgrat entwickeln – und dem treu sein, was wir wirklich sind.

By The School of Life

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