Du bist mehr als dein Gehalt

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Ein fundamentaler Glaubenssatz unserer heutigen Zeit lautet: Du bist, was du verdienst. Demnach haben wir nicht nur die Ansicht, dass Geld zu besitzen schön ist, sondern wir nehmen an, dass unser Einkommen ausschlaggebende Informationen über unsere Persönlichkeit, Intelligenz und Charakterstärke liefert. Kurz: Geld gilt gemeinhin als Indikator für unseren finanziellen sowie für unseren menschlichen Wert. Je höher die Zahl auf unserem Kontoauszug ist, desto mehr scheinen wir unsere Existenz verdient zu haben. Es scheint beinahe unmöglich, sich selbst als attraktiv, erfolgreich und gleichzeitig arm vorzustellen. Aber was ist an diesem Glaubenssatz wirklich dran? Und woher kommt dieses an Geld gekoppelte Selbstwertgefühl?

 

Angebot und Nachfrage

Für eine Antwort müssen wir einen Blick auf die Wirtschaft und insbesondere auf die Art und Weise, wie Gehälter festgelegt werden, werfen. Denn Löhne richten sich nicht nach der Höhe des sozialen Beitrags an sich. Löhne sind schlicht und einfach das Ergebnis des Verhältnisses von Menschen, die in der Lage sind, eine Arbeit auszuführen und der Häufigkeit des Wunsches nach bestimmten Tätigkeiten. Wenn viele Menschen eine Aufgabe erfüllen können, so wichtig sie auch sein mag (zum Beispiel eine Hand auf einer Krebsstation halten), wird wenig Geld dafür angeboten. Und wenn es nur sehr wenige Menschen gibt, die eine Tätigkeit erfolgreich ausführen können, so trivial sie auch sein mag (zum Beispiel einen Ball 60 Meter ins Tor zu schießen), werden die Gehälter bei starker Nachfrage erhöht. Geld ist kein Maß für den menschlichen Wert der betreffenden Arbeit. Der entscheidende Faktor des Gehalts ist nur die Stärke der Nachfrage im Verhältnis zum Angebot.

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Was vom Gehalt nicht erfasst wird

Wir können vielleicht nicht ohne weiteres das Gehalt von allen Menschen beeinflussen, aber wir können ändern, wie wir Einkommen beurteilen. Dies ist keine Frage von Politik, sondern eine Frage von Wertschätzung. Wir können uns an all das erinnern, was mit einem Gehalt nicht quantifiziert wird – bei uns selbst und bei anderen; die Intelligenz, Fürsorge, Hingabe, Einfühlungsvermögen und Kreativität, die vorhanden sein können, ohne dass sie von der Gehaltssumme widergespiegelt werden. Spätestens dann, wenn wir einige Zeit mit einer Person auf der Arbeit verbracht haben und einen alltäglichen Einblick in ihren Charakter erhalten haben, bleibt uns nichts anderes übrig, als zu dem komplexen Schluss zu kommen: Wir sind mehr als unser Gehalt.

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