Der Unterschied zwischen wackligen und stabilen Partnerschaften

Woher weiß man, ob eine Beziehung hält oder ob sie dazu verdammt ist, früher oder später Schiffbruch zu erleiden? Wie unterscheiden sich wacklige und stabile Partnerschaften? Hier sind ein paar Dinge, auf die du achten kannst …

1) Zu großer Beziehungsoptimismus:

Partner*innen in instabilen Beziehungen neigen paradoxerweise dazu, mit der Liebe gewaltige Hoffnungen zu verknüpfen. Glück stellen sie sich als konfliktfreie Gemeinschaft vor. Haben sie die Person gefunden, die sie unklugerweise als „den*die Einzige*n“ betrachten, glauben sie, nie wieder herumzanken, aus dem Zimmer stürmen oder einen unglücklichen Nachmittag verbringen zu müssen.

Tauchen Probleme auf – was unvermeidlich ist – beweist das für sie nicht, auf dem richtigen Weg zu sein. Sie vermuten vielmehr, dass etwas mit ihrer Beziehung nicht stimmt. Ihr Optimismus ist groß. Aber sie ermüden rasch, wenn es gilt, langweilige Routinen aufrechtzuerhalten, in geduldige diplomatische Verhandlungen einzutreten oder regelmäßige Instandhaltungsarbeiten durchzuführen.

2) Fehlender Zugang zum eigenen Schmerz:

Partner*innen in instabilen Beziehungen wissen häufig nicht, was ihnen fehlt. Sie sind unglücklich, ohne den Grund ihrer Unzufriedenheit zu kennen. Spüren sie, dass etwas schief geht, gelingt es ihnen nicht, den Auslöser auszumachen. Es bleibt ihnen verborgen, dass sie verärgert sind, weil ihnen der*die andere in Gelddingen nicht vertraut oder sich verletzend gegenüber dem jüngsten Kind verhalten hat. Also schlagen sie wild um sich. Ihre Attacken sind entweder unfair und allgemein. Oder sehr spezifisch, aber eigentlichen Thema vorbei.

3) Scham:

Ein beschämter Mensch zweifelt zutiefst an seinem Recht zu existieren. Irgendwann in seiner Vergangenheit musste er schmerzlich erfahren, dass es auf ihn nicht ankommt. Seine Gefühle wurden übergangen, sein Glück hatte keine Bedeutung, seine Worte zählten nicht. In einer Partnerschaft ist ein beschämter Mensch genauso verletzt wie jeder andere auch. Aber er vermag es nicht, seinen Schmerz in etwas zu verwandeln, das man verstehen und womit man mitfühlen kann. Beschämte Menschen schmollen lieber als zu sprechen. Sie verstecken sich, statt sich zu zeigen und ziehen es vor, sich im Verborgenen elend zu fühlen, statt sich offen zu beschweren. Oft ist es nicht nur spät, sondern viel zu spät, wenn beschämte Menschen endlich damit rausrücken, wie verzweifelt sie eigentlich sind.

4) Übertriebene Angst:

Wer sich beschweren will, sollte die Hoffnung fahren lassen, erhört zu werden. Man muss nicht auf Teufel komm raus zu der*dem anderen durchdringen! Sollte sich der*die Partner*in uneinsichtig zeigen: na, wenn schon! Das überlebt man. In einem Streit steht nie alles auf dem Spiel. Man kann durchaus auch jemand anderen lieben. Niemand hat die Macht, dein Leben zu ruinieren. Darum besteht auch keine Notwendigkeit, zu nörgeln, zu insistieren, einander anzuschreien oder einzuschüchtern. Man kann seine Kritik mit der Gelassenheit einer entspannten Lehrkraft vorbringen, die sich zwar wünscht, dass ihre Schüler*innen etwas lernen, aber erträgt, wenn dies nicht der Fall ist. Denn was man zu sagen hat, kann auch morgen gesagt werden – oder an einem anderen Tag.

5) Übertriebener Stolz:

Die Dinge, über die wir leider so in Rage geraten, können lächerlich und unbedeutend sein, und lassen uns deshalb ganz schön kleinlich oder bedürftig wirken. Man braucht schon ein gewisses Format, um das zu ertragen. Ist man allzu stolz oder furchtsam, kann es nämlich unerträglich sein zuzugeben, worüber man sich bereits seit Stunden ärgert: dass der*die andere beim Spazierengehen nicht Händchen halten wollte. Äußerst unangenehm ist es auch, zu erklären, wie sehr man sich danach sehnt, vorm Einschlafen noch mal umarmt zu werden. Man muss ziemlich erwachsen sein, um dieses Bedürfnis nach Rückversicherung und Trost nicht beschämend zu finden. Dabei ist es eine echte Errungenschaft, stark sein zu können in seiner Verletzlichkeit. Möglich, dass man viel zu oft hinter zugeknallter Tür in einem defensiven Ton behauptet hat: „Nein, nichts ist los. Geh weg!“ Obwohl man eigentlich insgeheim getröstet und verstanden werden wollte wie ein aufgewühltes, schluchzendes Kind.

Wir sehnen uns danach, verstanden zu werden, bringen aber kaum Ressourcen mit, um uns verständlich zu machen.

6) Hoffnungslose Gespräche:

Partner*innen in instabilen Beziehungen haben oft nur wenige positive Kindheitserinnerungen an gut funktionierende Gespräche. Frühe Vorbilder haben vielleicht rumgeschrieen und einander in die Verzweiflung getrieben. Möglicherweise durfte man nie beobachten, wie sich Meinungsverschiedenheiten ganz allmählich in Verständnis und Sympathie verwandeln. Darum sehnt man sich später danach, verstanden zu werden, bringt aber selbst kaum Ressourcen mit, um sich verständlich zu machen.

Nichts von alledem führt zwangsläufig zu einer Trennung. Aber jeder Aspekt bedroht die innere Verbindung zweier Menschen. Und daran kann eine Partnerschaft letztlich doch zerbrechen. Nach außen hin mag alles gut sein. Ein Paar hat ein interessantes Sozialleben, ein paar wunderbare Kinder, eine neue Wohnung. Aber die tiefere Analyse offenbart: Hinter den Kulissen lauern unerwartete, große Gefahren für die Partnerschaft. Die gute Nachricht lautet: Indem wir die allgemeinen Risikofaktoren identifizieren, können wir sie in unserer Partnerschaft aufspüren. Und sind, mit einer guten Portion Selbsterkenntnis, gewappnet, wenn es darauf ankommt.

 

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