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Wie hart sollten wir im Job miteinander umgehen?

Eine Deadline rückt näher und unsere Mitarbeiter*in oder Kolleg*in von der das gesamte Projekt abhängt, kommt einfach nicht aus dem Knick.

Vielleicht haben wir das Bedürfnis hinzugehen und die Person rund zu machen: „Jetzt stell dich nicht so an und mach einfach deinen scheiß Job!“

Die Versuchung ist groß, streng und kontrollierend zu werden – und der Person ganz genau auf die Finger zu schauen, bis die Aufgabe endlich erledigt ist.

Wäre da nicht ein großes Problem: Unser schonungsloses Verhalten beeinträchtigt höchstwahrscheinlich die Leistungsfähigkeit der anderen Person erst recht. Sie wird sich verunsichert und bedrängt fühlen, nicht in der Lage sein, die erforderliche Aufmerksamkeit und Energie aufzubringen, und Fehler machen.

Nicht weniger wichtig ist, dass sie es uns übelnehmen wird: Statt Verbundenheit und Kollegialität wird die andere Person Abscheu gegen uns empfinden.

Je mehr Kopfarbeit ein Job erfordert, desto schwieriger wird die Situation. Es ist (theoretisch) möglich, jemanden mehr oder weniger mit Waffengewalt dazu zu zwingen, Steine zu zerkleinern oder Bäume zu fällen.


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Die Betreiber von Sklavengaleeren mussten sich keine Gedanken über die Motivation ihrer Belegschaft machen. Tausende von Jahren lang war die Peitsche das einzige Führungsinstrument. Heutzutage ist es jedoch undenkbar, eine*n unzufriedene*n Mitarbeiter*in durch Gemeinheiten und Ungeduld dazu zu motivieren, eine Unstimmigkeit in der Jahresabrechnung zu entdecken, einen einprägsamen Werbeslogan zu entwickeln oder ein Kleidungsdesign elegant zu verfeinern.

Je besorgter, unterdrückter oder ängstlicher sich ein Mensch fühlt, desto unwahrscheinlicher ist es, dass die kreativen und feinfühligen Kapazitäten seines*ihres Geistes jemals zum Einsatz kommen. Theoretisch könnte man ihn vielleicht dazu zwingen, die Arbeit zu erledigen – aber das Ergebnis wäre nicht viel wert.

„Sorry, dass ich danach fragen muss …“
„Ich weiß, du hast viel um die Ohren …“
„Ich finde toll, was du alles geschafft hast …“
„Was mir noch wichtig wäre …“

Eine hilfreichere Strategie entspringt einer Quelle, die zunächst nichts mit dem Büroleben zu tun hat: der internationalen Diplomatie.

Die Diplomatie entwickelte sich zu einer dringend benötigten Alternative zu den Verwüstungen des Krieges; wenn man beruhigen und ermutigen konnte, anstatt zu insistieren, war es vielleicht möglich, belagerte Städte und Leichen auf dem Schlachtfeld zu vermeiden. Die Diplomatie griff auf Wörter wie „möglicherweise”, „vielleicht” zurück, um Raum für die freie (und nicht erzwungene) Zustimmung des anderen zu schaffen.

Auch zurecht vorgebrachte Forderungen scheitern

Sie bediente sich eher des Lobes als der Kritik und eher des Vorschlags als der herablassenden Forderung. Dies war nicht das Ergebnis von Feigheit oder Schwäche, sondern eine schmerzlich gelernte Lektion darüber, dass eine direkt vorgebrachte Sache (auch wenn sie richtig und gerecht war) vollkommen darin scheitern kann, die gewünschten Ergebnisse zu erzielen.

In unserer Verzweiflung neigen wir dazu, hart zu werden und vergessen, was wir aus unserem Inneren wissen. Wir selbst reagieren nicht gut darauf, wenn wir bedrängt werden. Stattdessen ist es das Gefühl, geliebt, geschätzt, anerkannt und gemocht zu werden, das das Beste aus unseren kognitiven Fähigkeiten herausholt und unsere Motivation stärkt: Wir fühlen uns sicher genug, um einen vielversprechenden, aber schwierigen Gedankengang zu verfolgen; wir fühlen uns ermutigt, unser Bestes zu geben; wir werden fantasievoller, aufmerksamer und energiegeladener.

Wir versuchen uns an einer großen Aufgabe

Wenn wir darauf beharren, dass unser Kind Salat isst, weil die Ernährungswissenschaft bewiesen hat, dass er gut für den Herz-Kreislauf ist und es sonst keine Bildschirmzeit bekommt, wird es mit Sicherheit eine lebenslange Abneigung gegen Gemüse entwickeln. Wenn eine Lehrkraft sich wütend und entsetzt zeigt, dass ein*e Schüler*in etwas nicht versteht, verringern sich die Chance, dass das Kind gut in dem Fach wird, erheblich. Wenn Umweltaktivist*innen uns ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit und Schuld vermitteln, neigen wir dazu, uns abzuwenden und so zu tun, als gäbe es kein Problem.

„Ich weiß, du hast alles im Griff, aber es würde mir helfen, wenn …“

Es mag sich wie ein weiterer hektischer Donnerstagnachmittag anfühlen, aber tatsächlich versuchen wir uns an einer ehrenvollen und ewigen Aufgabe: eine schwierige Wahrheit in den komplexen Gedanken eines anderen Menschen zugänglich und überzeugend zu machen.

By The School of Life

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