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Warum wir uns oft seltsam und allein fühlen

Etwas spezifisch Menschliches ist es, dass wir uns selber kennen und uns unserer bewusst sind. Unsere eigenen Sorgen, Hoffnungen, Sehnsüchte und Erinnerungen schwirren uns ständig im Kopf herum und kommen uns oft unerträglich heftig, eigenartig, empfindlich oder traurig vor. Bei anderen hingegen beschränkt sich unser Wissen komplett darauf, was sie von sich erzählen oder inwieweit sie sich zeigen wollen, und das ist ein recht überschaubarer Datensatz.

Wir müssen uns mit Andeutungen begnügen, die kaum je das eigentliche Wesen von Anderen offenbaren können. Infolge dieser – wie wir es nennen – psychologischen Asymmetrie meinen wir oftmals, dass wir wesentlich merkwürdiger, blamabler und schräger seien als Andere.


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Psychologische Asymmetrie

Wie wir unsere eigene Angst und Wut, Neid, Sex und Sorgen erleben, halten wir für viel drastischer und gestörter als die Erfahrungen unserer näheren Bekannten. Und natürlich sind wir in der Tat sehr merkwürdig. Wir wissen einfach viel genauer, wer wir sind. In Folge dieser psychologischen Asymmetrie fühlen wir uns jedoch allein und schüchtern. Wir ziehen uns zurück, weil wir uns nicht vorstellen können, dass andere auf die gleiche Weise begehren und neiden, hassen und weinen, und fühlen uns einer fremden Welt ausgesetzt. Wir meinen, wir wären anders als andere, und wer uns erst richtig kennenlernt, würde uns vielleicht nicht ausstehen können. Wir ziehen uns auch verschreckt von Menschen zurück, die nicht um unsere Verletzlichkeit wissen sollen und die wir für unfähig halten, zu verstehen, welche kleinen und großen, verqueren oder idealistischen Gedanken uns ständig durch den Kopf gehen. Wenn wir eine wichtige Position übernehmen, kommen wir uns mit unseren Schrullen wie Betrüger vor und halten uns für ganz anders als andere, die bereits eine ähnliche Rolle spielten. Wir werden also langweilig und konventionell, weil wir andere äußerlich nachahmen in der fälschlichen Annahme, dass sie auch innerlich eigentlich so sind.

Kunst und Liebe als Ausweg

Zwei Wege führen aus dieser psychologischen Asymmetrie: Kunst und Liebe. Die Kunst bietet uns genaue Darstellungen vom Innenleben anderer und zeigt uns so mit Anmut, dass sie dieselben Probleme und Hoffnungen haben, mit denen wir alleine dazustehen meinten. Die Liebe hingegen vermittelt uns gelegentlich ein wunderbares Gefühl von Sicherheit, durch welches wir einem anderen Menschen zeigen zu können, wer wir eigentlich sind, und mehr voneinander erfahren.

Um die Folgen psychologischer Asymmetrie zu überwinden, sollten wir – auch wenn alles dagegen spricht – davon ausgehen, dass andere uns im Zweifel ähnlicher sind, also viel schüchterner, ängstlicher, sorgenvoller und unvollkommener, als sie sich der Welt zeigen. Wir sind zum Glück keineswegs so sonderbar oder so anders, wie wir meinen oder befürchten.


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