{"id":2314,"date":"2021-06-05T12:57:15","date_gmt":"2021-06-05T12:57:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theschooloflife.com\/berlin\/?p=2314"},"modified":"2024-09-24T11:26:45","modified_gmt":"2024-09-24T11:26:45","slug":"warum-wir-das-schlafen-neu-lernen-sollten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theschooloflife.com\/berlin\/blog\/warum-wir-das-schlafen-neu-lernen-sollten\/","title":{"rendered":"Warum wir das Schlafen neu lernen sollten"},"content":{"rendered":"\n<p>Dass viele von uns ein verkorkstes und wenig hilfreiches Verh\u00e4ltnis zum Schlaf haben, kann zu einem gro\u00dfen Teil darauf zur\u00fcckgef\u00fchrt werden, wie wir das Thema vor vielen Jahren kennengelernt haben. Eltern von Kleinkindern neigen dazu, es mit dem Schlaf sehr genau zu nehmen. Sie bevorzugen fr\u00fche Schlafenszeiten, g\u00f6nnen ihren Babys viele Nickerchen \u00fcber den Tag verteilt, sie denken viel dar\u00fcber nach, wie sie unseren Raum gut verdunkeln k\u00f6nnen, sie erkennen schnell, wenn unsere schlechte Laune auf ein Defizit an Ruhe zur\u00fcckzuf\u00fchren ist; und w\u00e4hrend sie in einigen Bereichen nachsichtig sein m\u00f6gen, sind sie wahrscheinlich v\u00f6llig unnachgiebig, wenn es um unseren Schlaf geht: Sieben Uhr abends Licht aus, ohne Wenn und Aber.<\/p>\n\n\n\n<p>Nichts davon ist auch nur ansatzweise selbstlos: M\u00fcde kleine Kinder sind ein Alptraum. Jeder R\u00fcckschlag wird zum Drama, jede Entt\u00e4uschung zur Katastrophe und jede Aufregung m\u00fcndet in Raserei. Ein halbwegs anst\u00e4ndiges Erwachsenendasein ist neben einem m\u00fcden Kind v\u00f6llig unm\u00f6glich. Der pure Selbstschutz macht elterlichen Totalitarismus unverzichtbar.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\"><em><strong>WIR VERWECHSELN ERWACHSENWERDEN SCHNELL MIT EINEM TROTZIGEN UND LEICHTFERTIGEN UMGANG MIT UNSEREN SCHLAFENSZEITEN<\/strong><\/em><\/h4>\n\n\n\n<p>Aber w\u00e4hrend eine solche rigorose Vorgehensweise in den ersten Jahren n\u00fctzlich ist, kann sie in den K\u00f6pfen der Kinder eine ung\u00fcnstige Dynamik erzeugen, wenn die Pubert\u00e4t einsetzt. Das Erwachsenwerden und die Behauptung der eigenen Unabh\u00e4ngigkeit und Individualit\u00e4t setzen wir dann schnell mit einem neuen trotzigen und leichtfertigen Umgang mit unseren Schlafenszeiten gleich. Warum sollten wir das Licht um zehn oder gar um Mitternacht oder ein Uhr morgens aus machen, wenn wir doch so offensichtlich kein Kleinkind mehr sind? Warum sollten wir davon absehen, noch etwas am Computer zu erledigen, nur weil schon die ersten Anzeichen der Morgend\u00e4mmerung am Himmel erscheinen? Jetzt sind wir gro\u00df und k\u00f6nnen das selbst entscheiden!<\/p>\n\n\n\n<p>Was dabei oft \u00fcbersehen wird, ist, wie sehr wir als Erwachsene in unserer Abh\u00e4ngigkeit von hinreichendem Schlaf einem kleinen Kind gleichen. Genau wie unser j\u00fcngeres Selbst, haben wir keine unumst\u00f6\u00dfliche Kontrolle dar\u00fcber, wie vern\u00fcnftig wir unsere eigenen M\u00f6glichkeiten und unsere Situation einsch\u00e4tzen. Wir k\u00f6nnen unser Leben auf viele verschiedene Arten erz\u00e4hlen, von einer optimistischen Geschichte des Fortschritts mit gelegentlichen ehrenhaften Niederlagen, bis hin zu einer tragischen Erz\u00e4hlung von durchgehender Dummheit und unverzeihlichen Fehlern. Was hier f\u00fcr uns den Unterschied zwischen Wahn und Vernunft bestimmen kann, ist unter Umst\u00e4nden nicht mehr oder weniger als die Frage, wie lange unser Kopf in den vorangegangenen Stunden auf einem Kissen liegen durfte.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist besonders bedauerlich, dass dieser Zusammenhang so leicht zu \u00fcbersehen ist. In unseren K\u00f6pfen l\u00e4uten keine Alarmglocken, die uns warnen, dass unsere kostbaren Schlafressourcen zur Neige gehen; unsere Eltern n\u00f6rgeln und meckern nicht mehr, bis wir uns endlich schlafen legen, viele wohlmeinende Freunde laden uns zu Abenden ein, die erst sp\u00e4t beginnen; unsere Bildschirme haben zu jeder Stunde etwas Neues und Aufregendes zu erz\u00e4hlen &#8211; und keine trendigen oder einflussreichen Pers\u00f6nlichkeiten des \u00f6ffentlichen Lebens scheinen uns jemals dazu zu ermuntern, fr\u00fch ins Bett zu gehen oder stolz ihre penible Schlafroutine zu pr\u00e4sentieren. Akribisch auf den Schlaf zu achten, scheint etwas zu sein, das nur eine sehr langweilige und verzweifelte Person interessiert.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\"><em><strong>DIE ERSCH\u00d6PFUNG RAUBT UNS DEN VERSTAND, LANGE BEVOR WIR MERKEN, WO DAS PROBLEM&nbsp;<em><strong>EIGENTLICH&nbsp;<\/strong><\/em>LIEGT<\/strong><\/em><\/h4>\n\n\n\n<p>So man\u00f6vrieren wir uns geradewegs in den Schlafmangel und fangen deshalb an, viele dunkle Dinge mit unheilvoller Leichtigkeit zu glauben: dass unsere Beziehung so gut wie vorbei ist, dass jede*r uns hasst, dass unser Leben sinnlos ist und dass die menschliche Existenz ein kosmischer Witz ist. &#8220;Wenn wir m\u00fcde sind, werden wir von Ideen angegriffen, die wir vor langer Zeit erobert haben&#8221;, wusste Friedrich Nietzsche. Wir drehen vor M\u00fcdigkeit durch, lange bevor wir merken, welche Rolle die Ersch\u00f6pfung dabei spielt, uns den Verstand zu rauben.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir m\u00fcssen etwas von der Weisheit unserer fr\u00fchen Jahre zur\u00fcckgewinnen. Wir m\u00f6gen eine imposante Statur aufweisen, einen wichtigen Job innehaben und beeindruckende Reden halten k\u00f6nnen, aber wenn es um unsere Widerstandsf\u00e4higkeit gegen\u00fcber emotionalem Chaos geht, sind wir nicht robuster als ein winziger S\u00e4ugling. Wann immer wir sp\u00fcren, dass unsere Lebensgeister sinken und Wahnsinn und Angst uns bedr\u00e4ngen, sollten wir alle Unternehmungen aufgeben und uns ins Schlafzimmer begeben. Wir sollten auf unser reglementiertes Schlafverhalten genauso stolz sein wie auf ein sauberes Haus oder eine florierende Karriere.<\/p>\n\n\n\n<hr style=\"width: 100%; height: 1px; background-color: #000; margin-bottom: 30px; margin-top: 20px\">\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">The School of Life<br><strong>Leading the AI-Transformation \u2013<\/strong> <strong>Gratis Workshop f\u00fcr HR <\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>KI ver\u00e4ndert Aufgaben, Rollen und Entscheidungsprozesse rasant. 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W\u00e4hrend das gr\u00fcndliche Durchdenken unserer Probleme entscheidend f\u00fcr unsere mentale Gesundheit ist, ist der Versuch, ohne gen\u00fcgend Schlaf zu denken, schlimmer als gar nicht zu denken. Wenn wir m\u00fcde sind, ist unser Denken rachs\u00fcchtig und schludrig. Es \u00fcbersieht wichtige Details, es gibt unseren Feinden die Oberhand, es \u00fcberl\u00e4sst den Sieg den Predigern der Traurigkeit. Es ist nicht respektlos gegen\u00fcber unserem eigenen Verstand, unseren Denkapparat erst dann in Gang zu setzen, wenn er angemessen wiederhergestellt ist &#8211; wie eine leistungsstarke Rakete oder ein teures Motorboot, das man nur dann in Betrieb zu nehmen wagt, wenn wir sicher sein k\u00f6nnen, dass der Himmel klar und die See ruhig ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir unsere Verletzlichkeit im Zusammenhang mit mangelndem Schlaf begreifen, brauchen wir niemals eine Sorge besonders ernst zu nehmen, die nach zehn Uhr abends pl\u00f6tzlich extrem dr\u00e4ngend erscheint. Wor\u00fcber wir mitten in der Nacht in Panik geraten, sollten wir automatisch beiseite schieben. Kein wichtiges Gespr\u00e4ch und keine Auseinandersetzung sollte jemals nach 21 Uhr gef\u00fchrt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Behutsamkeit ist nicht nur in der Nacht geboten. An verschiedenen Punkten des Tages, wenn wir \u00fcberw\u00e4ltigt sind, sollte uns bewusst sein, dass wir innehalten und die wei\u00dfe Flagge hissen sollten. Es mag so aussehen, als ob wir weiter versuchen m\u00fcssen, unsere D\u00e4monen zu bek\u00e4mpfen. Tats\u00e4chlich k\u00f6nnen wir sie mit einem Nickerchen vertreiben. Wir haben vielleicht ein schlechtes Gewissen, aber es ist fauler und unverantwortlicher zu versuchen, weiterzumachen, als zu erkennen, dass das Spiel vorerst aus ist. Es ist nichts Besch\u00e4mendes daran, zuzugeben, dass man nicht mehr weitermachen kann. Genau dieses Wissen bietet uns die Chance, bald eine neue Runde zu k\u00e4mpfen. Manch eine Krise h\u00e4tte durch eine rechtzeitige Siesta vermieden werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir im Bett liegen, k\u00f6nnen wir uns in ein kleineres, pelziges S\u00e4ugetier versetzen, ein Kaninchen oder vielleicht ein Eichh\u00f6rnchen. Wir sollten unsere Knie ganz nah an die Brust heben und die Bettdecke \u00fcber unseren Kopf ziehen. Vielleicht tr\u00e4nken wir ein ganzes St\u00fcck des Kissens mit unseren Tr\u00e4nen. Wir k\u00f6nnen &#8211; metaphorisch &#8211; unsere eigene m\u00fcde Stirn streicheln, wie es einst ein*e liebende*r Erwachsene*r getan haben mag. Das Leben als Erwachsene*r ist unertr\u00e4glich hart, und wir sollten das wissen und beklagen d\u00fcrfen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\"><em><strong>WIR SIND NICHT DIE EINZIGEN, DIE SICH VERZWEIFELT NACH EINEM GEM\u00dcTLICHEN, SICHEREN NICKERCHEN SEHNEN<\/strong><\/em><\/h4>\n\n\n\n<p>Wir sollten uns nicht komisch f\u00fchlen in unserer weinerlichen Eichh\u00f6rnchenposition. Andere Menschen geben sich gro\u00dfe M\u00fche zu verbergen, dass sie genau das Gleiche tun oder tun m\u00f6chten. Wir m\u00fcssen jemanden extrem gut kennen &#8211; besser als wir 99% der Menschheit kennen &#8211; bevor die Person uns in das Ausma\u00df ihrer Verzweiflung und Angst und der Sehnsucht nach einem gem\u00fctlichen, sicheren Nickerchen einweihen wird. Es sieht kindlich aus, aber es ist tats\u00e4chlich die Essenz des Erwachsenseins, die eigenen kindlichen Tendenzen zu erkennen und ihnen Raum zu geben.<\/p>\n\n\n\n<p>Was die Position des eingerollten Eichh\u00f6rnchens uns zeigt, ist, dass nicht alle geistigen Probleme durch aktives Nachdenken gel\u00f6st werden k\u00f6nnen. Nicht aktiv zu denken, sollte auch als Teil der Arbeit des Geistes verstanden werden. Zusammengerollt im Bett zu liegen, erlaubt unserem Verstand eine andere Art des Denkens, die Art, die stattfinden kann, wenn wir nicht mehr ungeduldig nach Ergebnissen suchen, wenn das \u00fcbliche hektische bewusste Selbst eine Pause einlegt und den Verstand eine Zeit lang machen l\u00e4sst, was er will. Paradoxerweise haben erst dann bestimmte reichhaltigere, kreativere Ideen die Ruhe und Freiheit, sich zu entfalten &#8211; so wie sie es vielleicht bei einem Spaziergang in der Natur oder bei einem Getr\u00e4nk in einem Caf\u00e9 tun. Denken gelingt uns nicht besonders gut, wenn es das Einzige ist, was wir zu tun versuchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben viele gute Gr\u00fcnde zu leben. Wir sind vielleicht nur nicht ganz in der Lage, sie zu erkennen, bis wir uns das Privileg eines weinerlichen Nickerchens oder einer langen Nachtruhe geg\u00f6nnt haben.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"353\" src=\"https:\/\/assets.theschooloflife.com\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2025\/06\/08185910\/240312-Blog-School-Hinweis-Kopie-1024x353.webp\" alt=\"\" class=\"wp-image-31283\" srcset=\"https:\/\/assets.theschooloflife.com\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2025\/06\/08185910\/240312-Blog-School-Hinweis-Kopie-1024x353.webp 1024w, https:\/\/assets.theschooloflife.com\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2025\/06\/08185910\/240312-Blog-School-Hinweis-Kopie-300x103.webp 300w, https:\/\/assets.theschooloflife.com\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2025\/06\/08185910\/240312-Blog-School-Hinweis-Kopie-768x265.webp 768w, 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class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" width=\"1440\" height=\"1084\" src=\"https:\/\/assets.theschooloflife.com\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2025\/01\/26091622\/250325-Spring-Retreat-Kopie-1.jpg.webp\" alt=\"\" class=\"wp-image-30750\" style=\"object-fit:cover\" srcset=\"https:\/\/assets.theschooloflife.com\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2025\/01\/26091622\/250325-Spring-Retreat-Kopie-1.jpg.webp.webp 1440w, https:\/\/assets.theschooloflife.com\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2025\/01\/26091622\/250325-Spring-Retreat-Kopie-1-300x226.jpg.webp 300w, https:\/\/assets.theschooloflife.com\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2025\/01\/26091622\/250325-Spring-Retreat-Kopie-1-1024x771.jpg.webp 1024w, 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