{"id":20181,"date":"2023-09-04T16:21:04","date_gmt":"2023-09-04T16:21:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theschooloflife.com\/berlin\/?page_id=20181"},"modified":"2023-09-11T16:19:19","modified_gmt":"2023-09-11T16:19:19","slug":"sich-der-verletzlichkeit-hingeben","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.theschooloflife.com\/berlin\/fur-unternehmen\/impulse\/sich-der-verletzlichkeit-hingeben\/","title":{"rendered":"Sich der Verletzlichkeit hingeben"},"content":{"rendered":"<section class=\"text-module\">\n<div class=\"container\">\n<div class=\"text-module__content\">\n<table style=\"border-collapse: collapse; width: 90%; background-color: #f6f6f6; margin-left: 5%;\" border=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td style=\"width: 582.4px; padding: 5%;\">\n<h5 style=\"margin-top: 30px; margin-bottom: 5px;\">Blog &#8211; The School of Life<\/h5>\n<h1 style=\"font-family: Bebas Neue,-apple-system,BlinkMacSystemFont,Segoe UI,Roboto,Helvetica Neue,Arial,Noto Sans,sans-serif; font-size: 42px; font-weight: 400;\">Sich der Verletzlichkeit hingeben<\/h1>\n<div class=\"article-main__content__wysiwyg\">\n<div class=\"article-main__content__wysiwyg\">\n<p>Wenn wir uns sehr \u00e4ngstlich, traurig, besorgt oder einsam f\u00fchlen, erscheint es f\u00fcr viele von uns absurd, unsere Not mit anderen zu teilen; ein Gest\u00e4ndnis k\u00f6nnte eine ohnehin schon schwierige Situation unertr\u00e4glich machen. Wir nehmen an, dass unsere beste Chance, uns zu verteidigen und unsere Selbstbeherrschung wiederzuerlangen, darin besteht, \u00fcberhaupt nichts zu sagen. Wenn wir also bei einem Treffen mit Freunden traurig sind, l\u00e4cheln wir. Wenn wir vor einem Vortrag Angst haben, versuchen wir das Thema zu wechseln. Wenn wir gefragt werden, wie es uns geht, sagen wir, dass es uns sehr gut geht, danke. Wir wollen nicht absichtlich t\u00e4uschen, sondern \u00fcben die einzige Taktik, die wir kennen und der wir vertrauen, um auf unsere Verletzlichkeit zu reagieren.<\/p>\n<p>Was wir vor allem f\u00fcrchten, ist die Verurteilung. Wir sind soziale Wesen, die im Laufe der Zeit gelernt haben, dass Akzeptanz mit Gelassenheit einhergeht. Wir nehmen an, dass nur eins von beiden funktioniert: erkl\u00e4ren k\u00f6nnen, was wirklich in uns vor sich geht, oder unbeschadet davonkommen. In unseren Augen besteht der Preis f\u00fcr Sicherheit darin, st\u00e4ndig den Anschein von Contenance zu wahren.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-23346\" src=\"https:\/\/assets.theschooloflife.com\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/27023127\/319257036c96a8f7af69d25ce8c65f67.jpg.webp\" alt=\"\" width=\"623\" height=\"351\" \/><\/p>\n<p>Doch es k\u00f6nnte eine Alternative zu dieser strafenden und letztlich sehr isolierenden Philosophie geben: die Idee, dass wir in Momenten der Angst, der Traurigkeit, der Unruhe und der Einsamkeit, anstatt auf unser Wohlbefinden zu beharren, genau die entgegengesetzte Richtung einschlagen; preisgeben, dass es uns eigentlich nicht so gut geht, dass wir gerade ziemlich besorgt sind, dass es uns schwerf\u00e4llt, mit Menschen zu sprechen oder an die Zukunft zu glauben; dass wir uns \u00e4ngstlich f\u00fchlen und Gesellschaft brauchen.<\/p>\n<p>Obwohl unsere Instinkte bei der Aussicht, solche Enth\u00fcllungen zu machen, stark alarmiert sein k\u00f6nnten, besteht die Chance, \u00dcberraschendes herauszufinden: dass wir uns sofort leichter und weniger bedr\u00fcckt f\u00fchlen; dass unsere Verbindung zu den Menschen um uns herum sich erheblich vertieft, wenn wir mehr von dem Chaos unseres Innenlebens preisgeben \u2013 und, was am unerwartetsten ist, dass die Enth\u00fcllung unserer Verletzlichkeit uns in den Augen anderer eher st\u00e4rker als schw\u00e4cher erscheinen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Ein Teil unserer bedauerlichen Verschlossenheit entspringt der Vorstellung, dass alle Eingest\u00e4ndnisse von Angst, Traurigkeit, Sorge und Einsamkeit gleich sein m\u00fcssen. Doch dabei \u00fcbersehen wir einen entscheidenden Unterschied zwischen einer Offenbarung, die als dringende, verzweifelte Bitte um Rettung erscheint, und einer, die ein Problem w\u00fcrdevoll in trauriger, aber n\u00fcchterner Haltung pr\u00e4sentiert. Es ist ein Unterschied, ob man darum bettelt, nie wieder allein gelassen zu werden, und dem Gest\u00e4ndnis, dass man seine Abende in letzter Zeit ziemlich ruhig verbracht hat. Es kann eine klare und verl\u00e4ssliche Grenze zwischen Bed\u00fcrftigkeit und Verletzlichkeit geben.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus ist eine solche Enth\u00fcllung nicht nur keine Bedrohung f\u00fcr unsere W\u00fcrde, sondern kann sie sogar noch verst\u00e4rken. So beeindruckend es oberfl\u00e4chlich betrachtet auch sein mag, niemals irgendeine Schw\u00e4che zu zeigen, so ist es doch viel beeindruckender, den Mut, die psychologische Einsicht und die Selbstdisziplin zu haben, \u00fcber seine Schw\u00e4chen in einem begrenzten Rahmen zu sprechen. Ein echter Erwachsener zeichnet sich dadurch aus, dass er in der Lage ist, mit einer Mischung aus Souver\u00e4nit\u00e4t und Taktgef\u00fchl Aspekte seines kindlichen Ichs zu offenbaren: dass er eine schreckliche Zeit durchgemacht hat, dass er eigentlich gar nicht hier sein will oder dass er sich gro\u00dfe Sorgen macht, wie ein Idiot dazustehen. Bei wahrer H\u00e4rte geht es nicht darum, eine Fassade milit\u00e4rischer Robustheit aufrechtzuerhalten, sondern vielmehr darum, mit den regressiven, bed\u00fcrftigen Anteilen der eigenen Person kunstvoll zu verhandeln und sie ohne Angst zu akzeptieren.<\/p>\n<p>Die F\u00e4higkeit, dieses Kunstst\u00fcck zu vollbringen, h\u00e4ngt von einem weiteren St\u00fcck Reife ab: dem Wissen, dass alle Menschen im Grunde genauso \u00e4ngstlich, traurig, einsam und besorgt sind wie wir. Selbst wenn sie sich dazu entschlie\u00dfen, nichts davon preiszugeben, k\u00f6nnen wir uns darauf verlassen, dass sie dies nicht tun, weil sie grunds\u00e4tzlich anders und robuster sind als wir, sondern weil auch sie Angst haben \u2013 und weil wir alle von einem Bild gepr\u00e4gt sind, was es bedeutet, ernsthafte Erwachsene zu sein, das es uns nicht erlaubt, ein gewisses Ma\u00df an unserer verletzlichen Realit\u00e4t zu teilen (und uns dadurch alle gemeinsam krank macht und von uns selbst und anderen entfremdet). Wir sollten akzeptieren, dass es ganz normal ist, einsam zu sein, obwohl jeder genug von den Freunden haben sollte, die er*sie braucht; und dass es ganz normal ist, krank vor Sorge zu sein, obwohl wir ein festes Vertrauen in die Zukunft haben sollten. Indem wir unsere Schw\u00e4chen offenbaren, erkennen wir nicht irgendeine verr\u00fcckte Option an, sondern beweisen, dass wir uns wie unsere Mitmenschen in einer wahren, aber bisher unn\u00f6tig verborgenen Realit\u00e4t befanden; wir schlagen einen Salto \u00fcber die sozialen Hindernisse und schaffen reichlich Raum, in dem sich auch andere eines Tages sicher genug f\u00fchlen k\u00f6nnen, um ihre Zerbrechlichkeit und Menschlichkeit zu zeigen.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen uns unseren \u00c4ngsten weit mehr zuwenden, als uns lieb ist, ganz ohne sie als bedrohliche Feinde zu betrachten. Jedes Gest\u00e4ndnis, das wir kompetent ablegen, lindert unsere Last. Anstatt die Welt als ein Wesen zu betrachten, das wir st\u00e4ndig beeindrucken m\u00fcssen (und unsere Realit\u00e4t als etwas, das wir st\u00e4ndig verbergen m\u00fcssen), k\u00f6nnen wir es wagen, uns vorzustellen, dass es anderen nichts ausmachen w\u00fcrde, wenn wir ein wenig mehr von unserem wahren Selbst zeigen w\u00fcrden \u2013 und dass es manchmal nichts Nobleres oder Beeindruckenderes gibt, das wir unseren Nachbarn anbieten k\u00f6nnten, als eine ruhige Offenbarung unserer Gef\u00fchle von Traurigkeit, Isolation, Sorgen und existenzieller Verzweiflung.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div><\/div>\n<\/section>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":21,"featured_media":0,"parent":8787,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"class_list":["post-20181","page","type-page","status-publish","hentry"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.7 - 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