Wie die sexuelle Leidenschaft in der Beziehung erhalten bleibt

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In einer Beziehung zu sein und das Gefühl zu haben, dass es an Sex mangelt, kann nach einem trivialen oder auch komischen Luxus-Problem klingen - als würde man beklagen, zusammen nicht genug Tennis zu spielen oder Yoga zu machen. Aber keinen Sex zu haben ist absolut nicht trivial, denn es weist oft auf ernstzunehmende Probleme hin, die tatsächlich eine Beziehung ruinieren können. Eine Statistik über OECD Länder zeigt, dass 70 % derer, die eine Scheidung einreichen, zu wenig Sex als ersten oder zweiten Grund für die Trennung angeben. Wenn man über Beziehungen eine verallgemeinernde Aussage machen kann, dann das ein Mangel an Sex – also weniger als ca. viermal im Monat - ein Alarmsignal ist, welches man beachten sollte.

 

Warum ist Sex so wesentlich für eine gelingende Beziehung? Beim Sex sind zwei Menschen dazu angehalten, einander rückhaltlos zu akzeptieren, wodurch gegenseitiges Vertrauen aufgebaut wird. Unsere scheinbar beschämenden Seiten, verrückten Phantasien und merkwürdigen Sehnsüchte werden sichtbar. Jemand nimmt uns wahr und akzeptiert uns als körperliches und psychisches Wesen. Sex steht sozusagen für das Ende von Einsamkeit und gestärktes Vertrauen. Sex mit einem Partner nicht zu wagen oder zu wollen, bedeutet demnach, dass man sich dem anderen nicht zeigen will oder kann.

 

Ohne Sex zu leben, ist schwierig genug. Viel schlimmer aber ist die Herausforderung, die eigenen Sehnsüchte nach Sex offen einzugestehen und zu kommunizieren. Wer sich Sex wünscht, bittet zumeist nicht klar darum. Stattdessen wird zum Beispiel vorsichtig eine Hand, auf der Suche nach Erwiderung, ausgestreckt. Man beklagt sich nicht ruhig, spricht nicht wortgewandt und selbstbewusst über die schwierige Situation und erkundigt sich auch nicht einfühlsam danach, was im anderen vorgeht. Viel zu oft werden die Enttäuschung und das Gefühl von Erniedrigung stattdessen lieber heftig ausgelebt. Man wird gemein, woraus sich lauter Konflikte entwickeln, die auf den ersten Blick nichts mit Sex zu tun haben, aber durch dessen Fehlen ausgelöst werden. Man schimpft über die Schwiegereltern oder über die Unordnung in der Küche. Wer sich sexuell abgelehnt fühlt, benimmt sich wie ein Ungetüm, womit sich die Chancen auf Sex erst recht auf Null reduzieren. Schließlich kann es dazu kommen, dass der sexhungrige Teil einfach ausbricht und eine Affäre hat, nicht weil man den Partner nicht mehr liebt, sondern weil das Gefühl von Zurückweisung einen dazu antreibt, sich irgendwie dafür zu rächen.

 

Die Kommunikation über fehlenden Sex ist so schwer, weil es sich peinlich anfühlt, nicht sexuell begehrt zu sein. Es verstärkt die größten Ängste vor Ablehnung. Obwohl vielleicht irgendetwas mit dem anderen nicht stimmt, empfindet man sich eher selber als abstoßend und unattraktiv. Dieses Gefühl ist bereits schlimm und unangenehm bei einem Date. Sich vom eigenen Partner in einer scheinbar sicheren und zuverlässigen Langzeitbeziehung zurückgewiesen zu fühlen, ist jedoch noch schmerzlicher.

Der Schlüssel zu einer Versöhnung ist, die eigenen Gefühle von Ablehnung und Selbstekel abzulegen und somit erst offen dafür zu sein, warum der andere auf Sex ablehnend reagiert.

Klar ist jedoch, dass niemand (außer im Falle von tatsächlicher Asexualität) Sex grundsätzlich ablehnen würde. Wenn dies doch der Fall ist, kann es oft darauf zurückgeführt werden, dass die Voraussetzungen für Sex nicht gegeben sind oder nicht kommuniziert werden. Wer Sex ablehnt, hat ein Problem, das davon abhält, sich dem Partner gegenüber zu öffnen. Insgeheim denken sie vielleicht, „Ich hätte Sex, wenn du ein offenes Ohr für den Stress mit meiner Familie hättest,“ oder, „wenn du mir mehr Zeit für meine Arbeit lässt“, oder „wenn du mich nicht wie ein Elternteil umsorgst und belehrst.“. Es könnten auch "unanständigere" Gründe sein, wie der Wunsch, Fantasien auszuleben und Rollenspiele auszuprobieren oder mehr körperliche Zärtlichkeiten auszutauschen. Anstatt im Kopf die Gedanken um die empfundene Ablehnung kreisen zu lassen, kann es helfen, die sexuelle Verweigerung zu ergründen. Es mag schwierig sein, die Gründe deutlich, freundlich und ohne Vorwürfe zu hören. Es bedarf oft ein einfühlsames Gespür, sich der bereits auf unklare oder indirekte Weise kommunizierten Gründe, und was durch sie auf dem Spiel steht, bewusst zu werden.

 

Ein erster Schritt der Annäherung auf beiden Seiten wäre - in dem Bewusstsein, dass der Erfolg der Beziehung letztlich davon abhängt, dieses Problem zu lösen - sich einen Brief mit dem Titel „Was ich mir beim Sex wünsche.“ zu schreiben. Zum einen können sich beide Personen so ihrer sexuellen Bedürfnisse bewusst werden und sie deutlich kommunizieren. Zum anderen können dann mit reflektiertem Abstand die Worte des anderen wirklich ernst genommen werden.

 

Zwei Menschen haben immer sexuell etwas unterschiedliche Bedürfnisse, jedoch sollten wir Angst und Wut gegenüber diesen Bedürfnissen vermeiden, um somit keine zweite Hürde von Schmerz, Strafe und Scham zu kreieren. Gehen wir den ersten Schritt und finden einen Weg, wie das, was beide Seiten sich jeweils wünschen, vereinbar wird, und wie Sarkasmus, Unzufriedenheit und der Aufbau von Distanz verhindert werden können. Immer wenn eine einfühlsame Annäherung und ein Gespräch über Sex stattfindet, kommt man nicht nur erfüllendem Sex, sondern auch einer vertrauensstarken, langlebigen Beziehung näher.

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